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Was machen ehemalige Turner, Vorstände und Mitglieder?

Was macht eigentlich... Bernd Stadelmann?

Vor etwa zwei Jahren sorgte er bundesweit für Schlagzeilen: Bernd Stadelmann, Turner des Drittligisten TG Wangen-Eisenharz. In der ProSieben-Show „Schlag den Raab“ siegte der Landwirt gegen den Entertainer Stefan Raab und räumte satte 3,5 Millionen Euro ab. Inzwischen hat sich der Trubel um den 29-jährigen Allgäuer gelegt – und er lebt sein gewohntes Leben zwischen Hof und Turnhalle in Ruhe weiter.

Wir müssen es jetzt einfach wissen: Macht Geld glücklich?

Geld allein macht nicht glücklich. Nein. Es erleichtert viel. Aber der Erfolg von damals, wenn man zurückdenkt – der macht schon eher glücklich.

Was war denn das Überwältigendste, wenn Sie zurückdenken? Was hat Sie so glücklich gemacht?

Die Reaktionen der Leute um mich herum. Ich habe eigentlich nur Positives gehört, und es ist alles beim Alten geblieben. Wenn wir im Training sind oder miteinander auf die Skihütte gehen – es ist genauso wie vorher. Mit meinen engen Freunden ist alles so, als wenn nix gewesen wäre.

Also Sie müssen nicht immer die Rechnung auf der Skihütte übernehmen?

Nein, das nicht. Das habe ich im ersten Jahr mal gemacht. An dem Tag, an dem ich bei „Schlag den Raab“ war, waren die Jungs auf der Skihütte. Da hatte ich schon vorher gesagt: Wenn ich gewinne, dann geht die Rechnung für diesen Abend auf mich.

Ein bisschen muss sich Ihr Leben aber trotzdem verändert haben – zumindest in der ersten Zeit gab es doch bestimmt viel Trubel?

Am Anfang war schon viel los. Ich habe ständig Interviews gegeben. Dann mussten wir schauen, wie wir das Geld anlegen oder was wir überhaupt damit machen. Leute mit Investitionsideen haben sich bei mir gemeldet, also Investmentberater standen Schlange. Das war manchmal sehr anstrengend.

Aber Sie haben sich da ganz auf Ihr Umfeld verlassen, wie Sie Ihr Geld angelegt oder ausgegeben haben?

Ja, ich habe nichts übereilt, sondern mir alles lange überlegt und das Geld nach und nach größtenteils angelegt.

Haben Sie sich auch etwas Schönes gegönnt?

Wir waren ja damals schon dabei, unsere Dachgeschosswohnung auszubauen. Da sind jetzt eben ein paar Sachen ein bisschen nobler als sonst ausgefallen. Nichts Übertriebenes, aber wir haben es uns da oben richtig schön gemacht.

Auf dem Hof Ihrer Eltern?

Ja, genau. Aber den Hof habe ich mittlerweile übernommen. Seit dem Frühjahr dieses Jahres bin ich quasi der Betriebsleiter. Wir sind momentan gerade in der Planung, den Stall umzubauen, um es uns arbeitswirtschaftlich besser einzurichten.

Wie groß ist der Hof?

Wir haben 75 Milchkühe und bewirtschaften circa 60 Hektar Land.

Haben Sie sich inzwischen auch schon eine Hochzeit geleistet?

Nein, die Freundin von damals habe ich immer noch. Aber geheiratet haben wir noch nicht.

Spenden-Anfragen sind doch bestimmt auch einige bei Ihnen gelandet, oder?

Ich schätze mal, dass ich unmittelbar nach der Show circa 40 bis 50 Bettelbriefe bekommen habe. Ich hatte es mir aber schlimmer vorgestellt. Mir wurde geraten, dass ich die Bettelbriefe am besten gar nicht bis zum Ende lesen soll. Man kann ja nicht wissen, ob es den Leuten wirklich so schlecht geht, wie sie es vorgeben.

Haben Ihnen die Macher der Sendung sonst noch etwas mit auf den Weg gegeben, gerade bei einem so großen Gewinn?

Ja, sie haben uns sehr geholfen. Denn sie hatten natürlich gewusst, dass danach Halligalli bei uns ist und haben daher die ganzen Presseanfragen für mich gesammelt, ein bisschen sortiert und mir auch empfohlen, was sie machen würden. Das hat meine Eltern und uns ganz schön entlastet.

Über Sie wurde ja in den buntesten Blättern der Republik berichtet. Mussten Sie auch falsche Geschichten über sich lesen?

Das meiste war eigentlich in Ordnung. Es haben sich zwar schon oftmals Fehler eingeschlichen. Zum Beispiel hatte ich mal 140 Kühe statt 75 oder kam aus Bayern statt aus Baden-Württemberg. Aber das war nicht schlimm.

Besteht noch Kontakt zu Stefan Raab?

Nein.

Wie waren Sie damals auf die Idee gekommen, sich bei der Sendung zu bewerben?

Ich hatte mir halt gedacht: Das ist eine coole Show mit lustigen Spielen. Da würde ich gerne mal mitmachen. Über das Internet hatte ich mich innerhalb von anderthalb Jahren sieben oder acht Mal beworben. Dann hatte es endlich geklappt. Ich wurde als einer von 400 Kandidaten zum Casting nach Köln eingeladen, musste dort einen Allgemeinwissenstest, einen Fitnesstest und einige weitere Sachen machen. Und dann war ich dabei.

Hatten Sie sich auf die Show speziell vorbereitet?

Ja, ich habe viel Zeitung gelesen. Ein paar Geschicklichkeitsspiele gespielt, damit ich eine ruhige Hand bekomme. Und alle möglichen Sportarten ausprobiert, war mal Tennisspielen, mal beim Schützenverein. Einfach breit gefächert, um für alles gerüstet zu sein.

Und wie waren Sie mental gerüstet? Schließlich war es eine eher ungewohnte Situation mit mehr als 3 Millionen Zuschauern…

Ich war bei einer Entspannungspädagogin. Sie hat mir ein paar Tricks gezeigt. Zum Beispiel was ich mit der Atmung machen kann. Einfach, um ruhiger zu werden. Und sie hat mir einen Punkt gezeigt, auf den ich drücken und vorher schon an eine schöne Situation denken sollte, in der es mir gut ging. Durch das Drücken dieses Punktes konnte ich mir dann in der Show dieses gute Gefühl wieder herholen. Das hat schon etwas geholfen.

Und wie oft haben Sie in der Sendung diesen Punkt gedrückt? Sie dauerte ja fast fünf Stunden…

Ich weiß es nicht. Vielleicht so vier, fünf Mal – oder öfters.

Also zusammengefasst lässt sich sagen: Das Geld ist gut angelegt, Sie sind glücklich, dass Sie an der Sendung teilgenommen haben – und das Leben geht ganz normal weiter?

Genau! Ich sage mal: Mit dem Geld auf der Seite macht es einem vieles leichter. Der finanzielle Druck ist ein Stück weit weg. Ansonsten ist vieles beim Alten geblieben. Und das ist eigentlich das Beste daran.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Autorin: Beate May

 

Was macht eigentlich... Sylvio Kroll?

Was macht eigentlich… Sylvio Kroll?

Sylvio Kroll war einer der erfolgreichsten deutschen Turner - Europameister (1985 am Sprung), zweifacher Weltmeister (1985 am Barren und 1987 am Sprung) sowie Zweiter bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul (am Sprung und mit der Mannschaft).  Hinzu kommen zahlreiche weitere Silber- und Bronzemedaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften. Inzwischen arbeitet der 49-Jährige als Bereichsleiter am Olympiastützpunkt Brandenburg in Frankfurt (Oder). Aber in den nächsten Tagen ist der Brandenburger für den DTB  bei der WM in China unterwegs.

Wir erwischen Sie kurz vor dem Abflug nach China. Sie begleiten die deutschen Athleten bei der WM?

Ja, ich fliege am Sonntag der deutschen Nationalmannschaft hinterher. Ich bin ja im Ehrenamt Vizepräsident Olympischer Spitzensport im Deutschen Turner-Bund und bei der WM jetzt der DTB-Präsidiumsvertreter, ergo in meiner Funktion als Verantwortlicher für den Leistungssport im Präsidium bin ich in dem Fall Bestandteil der Nationalmannschaft.

Für die WM gab es eine Reihe verletzungsbedingter Absagen aus dem deutschen Team. Wie stehen jetzt die Chancen? Was sind die Ziele?

Wir wollen mit beiden Teams unsere Ambitionen auf die Olympia-Qualifikation untermauern. Wir können uns zwar in diesem Jahr noch nicht qualifizieren, aber wir müssen im ersten Schritt bei den Männern und den Frauen unter den besten 24 Teams sein. Das werden wir schaffen. Es wäre natürlich schön, wenn wir die Teamfinals erreichen würden. Doch das ist vage, weil einige Leistungsträger nicht dabei sind. Aber wir greifen an. Bei den Frauen konnte sich Elisabeth Seitz nach ihrer jüngsten Verletzung doch noch an ihrem Paradegerät am Stufenbarren in den Dienst des Teams stellen – schön! Bei den Männern ist Marcel Nguyen verletzungsbedingt nicht mit dabei. Somit können die neuen Leute wie Philipp Herder oder Lukas Dauser ihre Akzente setzen. Wenn sie ihre Leistung bringen und mannschaftsdienlich turnen, dann wäre das ein weiterer Schritt, um die Breite in der Nationalmannschaft zu untersetzen. 2015 müssen wir bei den Olympia-Qualifikationen unter die besten Acht kommen. Also wäre es schon wichtig, dass wir 2014/2015 nutzen, um uns breit aufzustellen und möglichst nahe an die besten Acht der Welt heranzukommen. Eine Einzelmedaille bei den Männern – das wäre toll, hierzu hat sich Fabian Hambüchen auf den Punkt genau in Form gebracht.

Und was machen Sie „im richtigen Leben“, also hauptberuflich?

Ich bin in Frankfurt (Oder) am Olympiastützpunkt Brandenburg und kümmere mich dort um die Bereichsleitung mit acht Sportarten. Turnen ist leider nicht dabei. Aber mit Boxen, Judo, Ringen, Gewichtheben, Sportschießen, Radsport, Handball weiblich und Fußball habe ich genug zu tun. Sportschule, Einschulungen, Ausschulungen, Bundesstützpunktbegleitung, trainingswissenschaftliche Maßnahmen koordinieren etc.

Kein Turnen mehr – fehlt Ihnen da nicht etwas?

Zumindest habe ich dienstlich nichts mehr direkt damit zu tun. Aber es gibt ja noch das Ehrenamt als DTB-Vizepräsident Spitzensport.

Was ist da Ihre genaue Aufgabe?

Ich bin für die Kaderbetreuung in den drei olympischen Disziplinen Rhythmische Sportgymnastik, Trampolin und Turnen männlich/weiblich global verantwortlich – also für die Umfeldbedingungen des Spitzensports. Es geht darum, den Spitzensport so zu steuern, dass das Training und die Wettkämpfe möglichst gut und erfolgreich bewältigt werden können. Der Vizepräsident Spitzensport ist sozusagen im Präsidium der Fachbereichsleiter für den Leistungssport – und dann gibt es laut DTB-Satzung noch sieben weitere Vizepräsidenten sowie die Vertreterin der Turnerjugend, welche die anderen Bereiche abdecken.

DTB-Präsident Rainer Brechtken sagte mit Blick auf die große Lücke hinter Fabian Hambüchen & Co. kürzlich, dass nach Olympia 2016 eine Durststrecke drohen könnte und mahnte daher mehr Engagement der Landesverbände im Spitzensport an. Das ist ja eigentlich genau Ihr Bereich. Wie sehen Sie das?  

Aus der Sicht des Präsidenten ist es nachvollziehbar. Der DTB kann ja wirtschaftlich kein großes Input reingeben. Sondern wir sind angehalten, die Finanzierung, die wir aus dem Haushalt des Bundesinnenministeriums bekommen für unsere Cheftrainer, unsere mischfinanzierten Trainer und die Trainingsstätten-Förderung in den Bundesstützpunkten mit Landesengagement aufzupeppen. Wir haben die Länder da zwar schon mit im Boot, aber wir müssen sie natürlich immer wieder neu motivieren. Wir wollen gemeinsam erfolgreich sein! Und da ist eben die große Frage: An welcher Stelle ist wie viel DTB drin? Und was macht der Verein? Was machen die Eltern? Was machen die Landesverbände? Da kann das Engagement des jeweiligen Landesverbandes ein wichtiges Verzahnstück sein. Wir sind im Moment aufgrund der wirtschaftlichen Sorgen des DTB eben nicht in der komfortablen Situation, dass wir eine große Anschubfinanzierung leisten können. Sondern wir müssen an die Solidarität der Länder appellieren, dass sie uns dabei helfen, den Spitzensport in den olympischen Turndisziplinen breiter aufstellen zu können.

Ist man da auf einem guten Weg?

Naja. Die Länder haben ihre Haushalte und ihre Stützpunkt-Anerkennung bis zum Jahr 2016 getätigt. Da wird sich in dem laufenden Olympia-Zyklus nicht mehr viel ändern. Wir haben Traineranstellungen, die bis 2016 laufen. Wir haben die Sportstätten, wir haben bestimmte Entwicklungen geplant, die wir erreichen wollen. Das Umfeld entwickelt sich weiter. So läuft gerade der Hallenneubau in Kienbaum. Weiter in der Planung sind der Anbau für die RSG in Schmiden, ein Hallenneubau in Chemnitz und die Rekonstruktion des Kunstturnforums in Hannover. Das sind bestimmte Vorhaben, in die die Länder mit investieren, die Träger Geld reinstecken und die das Bundesinnenministerium noch zusätzlich finanzieren könnte. Neben dem Grundsatz, der mit den Ländern verabredet ist – Standort- und Stützpunkt-Anerkennung bis 2016 – gibt es immer wieder Einzelmaßnahmen in den Ländern. Und das mahnt Rainer Brechtken natürlich an: ‚Da brauchen wir die Länder, die müssen da was reingeben.‘ Es geht ja auch um die Turntalentschulen, um die Finanzierung von Übungsleitern. Da kann man immer noch an dem einen oder anderen Rad drehen, womit man Leute motiviert, damit sie dort vor Ort mit den Talenten arbeiten. Und das muss immer wieder neu aktiviert werden.

Warum sind Sie eigentlich nie Trainer geworden?

Gute Frage. Als Sportler war ich ja relativ erfolgreich. Irgendwie war ich zum Zeitpunkt der Entscheidung auf den Job in der Turnhalle nicht heiß genug. Dann kam noch hinzu, dass ich mich nicht so als den Pädagogen eingeschätzt habe, dass ich in Ruhe hundert Mal das Gleiche wiederholen und den Kindern beibringen könnte. Ich hatte dann mein Studium fertig gemacht, 1994 bei der Stadt Cottbus im Sportamt angefangen und mich damit eben für die Funktionärslaufbahn im Breitensport entschieden. Aber man soll ja nie nie sagen im Leben. Vielleicht rappelt es mich noch mal und ich sage: Ich möchte jetzt Trainer werden. Denn als Trainer hat man schon die sehr einmalige Situation, dass man sein Engagement und die Erfolge eins zu eins wiederbekommt. Über den Sportler selber, über die Eltern. Man hat eine gute Rückkopplung von seinem Tun. Deswegen ist eine Trainerfunktion ja auch etwas ganz Besonderes. Meine Akten und meine Mails am OSP sind in dieser Beziehung eigentlich relativ neutral. Da kriegt man kaum irgendwelches Feedback. Aber ich mache meinen Job trotzdem sehr gerne!

Sind Sie sonst noch in Sachen Turnen in Deutschland unterwegs? Vielleicht manchmal in Cottbus, wo Sie ja viele Jahre am OSP und zudem Direktor des „Turniers der Meister“ waren?

Eher selten. Ich bin ja beruflich im Juni dieses Jahres nach Frankfurt (Oder) gewechselt und wohne seitdem auch hier. Von daher bin ich nur noch sporadisch in Cottbus.   

Also sind Sie mit dem aktuellen beruflichen und Lebensmittelpunkt Frankfurt (Oder) glücklich und wollen so schnell auch nichts daran ändern?

Ja, definitiv.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Autorin: Beate May

 

Was macht eigentlich... Maxi Gnauck?

Was macht eigentlich… Maxi Gnauck?

Die Berlinerin Maxi Gnauck war die erste deutsche Turnerin, die in die ehrwürdige International Gymnastics Hall of Fame in Oklahoma City aufgenommen wurde. 1980 war sie in Moskau Olympiasiegerin am Stufenbarren, gewann zudem Silber im Mehrkampf sowie Bronze am Boden und mit der Mannschaft. Außerdem holte sie fünf Weltmeister- und fünf Europameistertitel. Inzwischen ist die 49-Jährige längst in der Schweiz heimisch geworden - und dem Turnen immer noch treu.

Wie geht es Ihnen?

Mir geht es gut.

Was machen Sie jetzt genau?

Ich lebe in der Schweiz, in Selzach, eine halbe Stunde von Bern entfernt. Seit März 2012 trainiere ich in Utzenstorf im Gym Center Emme 7 bis 16 Jahre alte Mädchen im Kunstturnen.

Vorher waren Sie auch schon in der Schweiz tätig, oder?

Genau, ich war fast sieben Jahre in Liestal.

Aber in Deutschland hatten Sie als Trainerin begonnen?

Ich habe nach der Wende kurz in Berlin gearbeitet. Aber dann wurden durch die ganze Umstrukturierung alle Trainer gekündigt und ABM-Stellen und Kurzzeitverträge vergeben. Da bin ich ein bisschen durch die Gegend gereist, war kurz in Südafrika, habe ein Jahr lang sozusagen meine Reiselust umgesetzt. Anschließend habe ich in Norderstedt, in der Nähe von Hamburg, elf Jahre gearbeitet.

Und wie kam es zum Wechsel in die Schweiz?

Ich wurde bei einem Wettkampf in Berlin angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, in der Schweiz zu arbeiten. Dort hatte Roland Brückner angefangen. Und nachdem er zwei, drei Jahre tätig war, fehlte noch eine weibliche Verstärkung.

Gibt es in der Schweiz genügend Kinder, die Interesse am Turnen haben, oder ist es eher schwierig, an Nachwuchs zu kommen?

Talentierte Kinder zu finden, ist natürlich immer schwierig. Aber das Interesse, überhaupt zu turnen, ist sehr groß in der Schweiz. Das hat mich überrascht. Es gibt ja hier die Sparten Geräteturnen und Kunstturnen. Das ist beides separat. Zum Geräteturnen gehören Schaukelringe, Minitrampolin, Reck und Boden. Und im Kunstturnen wird an den uns bekannten Wettkampfgeräten Sprung, Balken, Barren und Boden geturnt.

Also einerseits Breitensport und andererseits Leistungssport?

Genau. Es gibt viele, die zwei bis maximal drei Mal in der Woche turnen möchten. Die machen dann Geräteturnen und bestreiten dort auch Wettkämpfe. Im Kunstturnen starten in den unteren Jahrgängen, also bei den Sieben- und Achtjährigen, in der gesamten Schweiz mindestens 200 Turnerinnen bei Wettkämpfen. Das ist unheimlich viel! Klar verdünnt sich das dann, je älter die Turnerinnen werden. Aber das ist für mich trotzdem erstaunlich. Denn diese Massen von Kindern habe ich in Deutschland so nirgends erlebt.

Sie können ja jetzt ein bisschen vergleichen, was in Deutschland anders als in der Schweiz ist…

Vor den Schweizer Meisterschaften gibt es immer vier, fünf Vorwettkämpfe, um sich zu qualifizieren. Und man kann schon bei den nationalen Meisterschaften turnen, wenn man erst sieben oder acht Jahre alt ist. So ist das Wettkampfprogramm hier aufgebaut. Da gibt es manchmal in einer Altersklasse vier Durchgänge à 30 Turnerinnen bei einem Wettkampf. Das sind 120 Mädchen in einer Altersklasse!

Wo liegen weitere Unterschiede?

Für den Hochleistungssport hat die Schweiz nicht die optimale Struktur. Da ist es im Moment in Deutschland besser. Es gibt in der Schweiz ein nationales Leistungszentrum in Magglingen. Die regionalen Leistungszentren bereiten die Mädchen bis zum Alter von 14, 15 Jahren vor. Wer dann als geeignet angesehen wird, kann nach Magglingen gehen. Doch wenn es nur ein Zentrum gibt, sind die Plätze natürlich begrenzt. Und es entscheidet sich auch nicht jeder dafür, nach Magglingen zu wechseln. Aber die regionalen Leistungszentren können ja nicht alles machen. Sie können nicht unten den Aufbau bewerkstelligen und oben die Spitzenleistungen für eine Weltmeisterschaft vorbereiten. Dafür reichen auch die Trainerkapazitäten nicht aus. Aber in Deutschland gibt es natürlich auch die Probleme, weil die Unterstützung für den Leistungssport in den Zentren unterschiedlich ist.

Was ist denn besser in der Schweiz als in Deutschland?

Für mich persönlich ist es in der Schweiz optimal. Als Arbeitnehmer hier zu arbeiten, ist in Ordnung. Momentan gibt es keine Notwendigkeit, nach Deutschland zurückzugehen und dort zu arbeiten. Mir gefällt es in der Schweiz. Hier passen die Leute und das Umfeld.

Werden Sie also nie wieder nach Deutschland zurückkehren?

Vielleicht später, wenn ich mal Rentnerin bin. Aber im Moment wohnen wir hier in einer sehr schönen Ecke. Wir können uns derzeit nur schwer vorstellen, dass es uns irgendwann woanders hinzieht. Wir besuchen natürlich regelmäßig unsere Verwandten. Und Deutschland-Präsenz ist ohnehin immer da, weil die Grenze nicht so weit entfernt ist. Wir fahren jede Woche oder mindestens aller zwei Wochen nach Deutschland, gehen dort in die Sauna oder kaufen ein bisschen ein.

In Berlin gibt es ja die Turntalentschule Maxi Gnauck. Sind Sie dort noch manchmal?

Nach Berlin bin ich schon Jahre nicht mehr gekommen. Das ist schade. Aber ich habe von vornherein gesagt: Ich bin nicht in der Gegend und kann daher wenig aktiv werden. Ich gebe gerne meinen Namen, wenn das dem Turnbereich hilft.

Stimmt es, dass Sie in Deutschland mal ein Angebot als Bundestrainerin hatten?

Ja, ich wurde zu einem Gespräch eingeladen. Aber ich bin kurz danach in die Schweiz gegangen.

Wie bewerten Sie mit Blick aus der Schweiz die Situation des Frauen-Turnens in Deutschland?

Ich freue mich, wenn Turnerinnen, die jahrelang kämpfen – wie zum Beispiel Kim Bui – bei Wettkämpfen erfolgreich sind oder sich in die Mannschaft reinturnen. Ich weiß natürlich, wie schwer es ist, sich als Turnerin durchzusetzen. Und es ist für die Aktiven selber ja auch immer ein Kampf,  ihre Leistung zu bestätigen. Ich fiebere mehr mit den einzelnen Turnerinnen mit, weil sie ja nichts für die Umstände können. Sie müssen mit dem System, wie sie Sport treiben können, zurechtkommen. Wenn die Strukturen es nicht hergeben, muss man eben sehen, was man unter diesen Bedingungen als Maximum erreichen kann.

Was meinen Sie genau?

Alle kämpfen, doch nicht überall wird das Geld bereitgestellt, um die optimalen Bedingungen zu schaffen. Die Frage ist auch: Wie ist die Perspektive danach? Wird da schon etwas während des Sports getan? Viele können ja in die Bundeswehr eintreten, um dann eine finanzielle Absicherung zu haben. Aber das ist auch nicht flächendeckend organisiert, sondern nur punktuell und für bestimmte Sportler. Von daher gibt es eben kein System. Das ist auch in der Schweiz so. Manche Turner hören auf, weil die Perspektive einfach nicht gewährleistet ist. Also müssen sie sich um einen Beruf kümmern. Und das hemmt die Leistungsentwicklung. Das ist schade.

Zum Abschluss: Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft? Was haben Sie noch vor?

Wir verreisen gerne. Wo ich schon immer mal hinwollte und noch nie war, ist China. Wo ich immer noch mal wieder hinwollte, weil mich das so beeindruckt hat, ist Japan. Aber ansonsten merkt man natürlich - ab 40 regenerieren sich die Knochen nicht mehr so – dass die Gesundheit das Wichtigste ist!

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Autorin Beate May

Was macht eigentlich... Marius Toba?

Was macht eigentlich… Marius Toba?

Er galt als kompromissloser Powertyp und Weltmeister an Beständigkeit: Marius Toba kam 1990 aus seiner Heimat Rumänien nach Deutschland und sammelte in den Folgejahren bei den nationalen Meisterschaften zahlreiche Titel und Medaillen. Trotz vieler Verletzungen startete der Spezialist an den Ringen bei drei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften sowie vier Europameisterschaften. Jetzt unterstützt der 46-Jährige seinen Sohn Andreas, der aussichtsreich in seinen turnerischen Spuren wandelt und bereits fester Bestandteil der deutschen Nationalmannschaft ist.

 

Wie geht es Ihnen? Diese Frage kommt bei Ihrer langen Krankenakte ja nicht von ungefähr…

Ich habe, glaube ich, die schlimmsten Sachen jetzt überstanden. Hinter mir liegen schon 21 Operationen. Und nun versuche ich, mich fit zu halten und wie ein normaler Mensch problemlos durch den Alltag zu kommen.

Was machen Sie für ein spezielles Fitnessprogramm?

Ich habe für mich ein Training entwickelt, um meinen ganzen Körper von oben bis unten fit zu halten. Dazu gehören Fahrrad fahren, gymnastische Übungen, Dehnungen, um die Beweglichkeit zu erhalten – das ist für mich extrem wichtig! Denn durch die vielen Belastungen im Leistungssport sind die Knorpel beschädigt, Arthrosen bilden sich. Und wenn ich da nichts mache, ist es schlimmer, als wenn ich etwas mache. Deswegen bin ich immer in Aktion. Im Fitnessstudio bei uns am Olympiastützpunkt bin ich zum Beispiel täglich.

Und sonst…?

…genieße ich das Leben. In einer Art und Weise. So lange wie ich das kann. Durch den Leistungssport konnte ich damals ja kaum andere Sportarten ausüben. Das hole ich jetzt nach: Skifahren, in den Bergen wandern…

Das geht alles – trotz der 21 Operationen?

Ja, ich halte mich mit meinen Aktivitäten zwar schon an Grenzen. Aber so ein Energiebündel und Stehaufmännchen wie ich bereits als Turner war, bin ich immer noch geblieben. Trotz der gesundheitlichen Schwierigkeiten versuche ich, die Zähne zusammenzubeißen und etwas für meinen Körper zu machen.

In der Turnhalle sind Sie ja auch noch…

Wenn ich mit Andreas in der Turnhalle bin und ihn beobachte, gebe ich ihm Tipps, was gut und was schlecht ist. Aber wenn ich schon mal da bin, juckt es mich auch, dass ich mich mal ein bisschen bewegen will. Also es ist nicht mehr daran zu denken, dass ich an den Ringen einen Dreifachsalto zeige… Im Gegenteil: Es ist nur, um mich fit zu halten und die Beweglichkeit zu fördern.

Sie gehen wirklich noch an die Geräte?

Ja, schon. An den Ringen bin ich nicht mehr. Wenn, dann mache ich am Pauschenpferd ein paar Kreisflanken. Aber da bin ich vorsichtig, weil ich künstliche Gelenke an der Schulter habe. Und damit kann man nicht mehr so viel machen wie vorher. Die Ärzte sind etwas verblüfft, weil sie noch nie gesehen haben, dass jemand mit künstlichen Gelenken noch so ‘fit‘ sein kann. Aber das macht nur dieser Wille. Ich will nicht als armer Mann irgendwo im Bett liegen. Und deswegen kämpfe ich.

Beherrschen Sie eigentlich Ihren berühmten Toba-Knicks noch?

Ja klar! Aber ich habe ihn lange nicht mehr gemacht, weil ich nichts mehr zu zeigen habe. Es ist vorbei…

Sie und Ihr Sohn leben und trainieren in Hannover, er startet in der DTL aber für den TV Schwäbisch Gmünd-Wetzgau. Wie organisieren Sie das?

In Einzelwettkämpfen repräsentiert Andreas Hannover und in der Bundesliga Wetzgau. Daher sind wir ständig mit dem Verein in Verbindung. Dort muss man ja auch wissen, wie die Mannschaft in Vorbereitung auf die Wettkämpfe eingestellt werden kann. Wir telefonieren. Wir sagen, was wir machen. Wir informieren uns, was dort los ist. Und ab und zu fahren wir auch runter.

Andreas wechselte 2012 vom NTT Hannover, das sich aus der DTL zurückgezogen hatte, zu den Schwaben. Dort scheint er sich wohlzufühlen…

Ja, definitiv! Das war eine gute Entscheidung! Für uns war vor allem die menschliche Komponente sehr wichtig. Und nicht das Geschäftliche. Ich habe damals als Turner einige bittere Erfahrungen machen müssen, habe meine Lehren daraus gezogen und will meinen Sohn nun davor bewahren. In Wetzgau sind Leute, die gut miteinander umgehen. Sie kümmern sich richtig um den Einzelnen. Das bringt auch viel für den Willen.

Bei den deutschen Meisterschaften ist Ihr Sohn Zweiter im Mehrkampf geworden. Sind Sie stolz?

Ich bin sehr stolz. Er hatte ja Fußprobleme und Schmerzen. Aber er hat die Zähne zusammengebissen und seine Leistung gebracht.

Dieser Ehrgeiz ist neben dem Turn-Gen also noch etwas, das er vom Vater geerbt hat?

Ja, Gott sei Dank!

Aber hundertprozentig gleichen sich die turnerischen Fähigkeiten nicht. Sie waren doch Spezialist an den Ringen?

Ich war zwar Mehrkämpfer, aber mein Paradegerät waren die Ringe. Andreas ist etwas größer und deswegen an den Ringen auch okay. Aber er hat nicht so etwas Besonderes, wie es bei mir war. Er ist für die Mannschaft sehr gut. Bei mir war es dagegen so, dass ich bei internationalen Wettkämpfen das Ringe-Finale immer schon sicher hatte. Ich war an dem Gerät 20 Jahre lang unter den ersten Acht der Welt. Da bleibt man in Erinnerung. Wenn Andreas irgendwo international antritt, gibt es viele Leute, die ihm sagen: ‘Grüß mal Deinen Vater!‘ Also sie haben mich nicht vergessen.

Jetzt stehen die Weltmeisterschaften an. Dann kann man ja schon mal in Richtung Olympische Spiele 2016 schauen. Was trauen Sie Ihrem Sohn zu?   

Für uns ist wichtig, dass er gesund bleibt. Er hat viel Potenzial. Das hat er schon bewiesen. Er sich in den vergangenen zwei Jahren sehr gut entwickelt und ist näher an Fabian Hambüchen herangerückt. Wenn er so mitzieht wie ich damals, kann noch einiges passieren. Dann hat er auch eine Chance, irgendwo mal in ein Finale zu kommen. Ich wünsche ihm internationale Medaillen bei Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Aber man muss immer dranbleiben. Wenn man nur Talent ist und nicht arbeitet, stirbt man als Hoffnung.

Und was wünschen Sie sich für sich?

In erster Linie Gesundheit. Und dass ich das Leben genießen kann. Das war ja in jüngeren Jahren nicht möglich. Ich hatte mit vier Jahren mit dem Turnen begonnen und mit 36 aufgehört. In diesen vielen Jahren habe ich mehr Zeit in der Turnhalle verbracht und nie das Leben wie normale Menschen genießen können.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Autorin Beate May

 

 

Was macht eigentlich... Bernd Jäger?

Was macht eigentlich… Bernd Jäger?

Sein Name ist auch heute noch Programm am Reck und am Stufenbarren: Bernd Jäger sorgte mit seinem Jägersalto 1974 für eine Initialzündung im Kunstturnen. Aber er sammelte auch Medaillen. So holte er mit der DDR-Mannschaft bei Olympia 1976 in Montreal Bronze im Mehrkampf. Das Gleiche gelang ihm bereits 1974 bei der WM in Warna. Zudem war er mehrfacher DDR-Meister. Der heute 62-Jährige trainierte seinen Heimatverein ASK Vorwärts Potsdam, später das finnische Nationalteam und seit März 2001 die Turner der VT Rinteln.

Ihr Jägersalto wird in diesem Jahr 40 Jahre alt. Wie oft wurden Sie in den vergangenen Jahren auf diese Erfindung angesprochen?

Oh, sehr oft. Ich freue mich immer wieder besonders, wenn er im Fernsehen kommt. Und als ich vor Kurzem in Kienbaum war, haben sich gerade die Mädchen aus Chemnitz auf die Weltmeisterschaften vorbereitet. Da habe ich superschöne Jägersaltos gesehen.

Auch bei den Männern am Reck ist Ihr Salto immer noch fester Bestandteil jeder Übung. Ehrt Sie das?

Es ist immer wieder wunderbar, wenn man das sieht. Und es ist auch toll, dass man in Erinnerung bleibt. Wenn dann jemand sagt: Schaut mal, das ist der Mann, der den Salto als Erstes gemacht hat – das finde ich sehr schön!  

Der Jägersalto hatte 1974 ja eine richtige Revolution im Kunstturnen ausgelöst…

Ja, ich war der Erste, der ein Flugelement als Salto-Element in den Hang geturnt hat. Davor gab es natürlich die Riesenkehre oder Woroninbücke. Aber das waren keine Salto-Elemente. Anschließend kamen der Deltschew-Salto, der Gienger-Salto – es ging dann Schlag auf Schlag.

Kommen wir mal ein Stück weg von Ihrem Markenzeichen hin zu Ihrem jetzigen Leben. Wie geht es Ihnen?

Mir geht es sehr gut. Ich bin als Vereinstrainer bei der Vereinigten Turnerschaft 1848 e.V. Rinteln im Weserbergland, angestellt. Meine Frau und ich wohnen im kleinen Dorf Hohenrode ganz in der Nähe. Dort haben wir ein schönes Häuschen. Also ich bin sehr zufrieden hier.

Und der Rest der Familie?

Wir haben drei Kinder. Aber die sind alle schon ausgeflogen. Unsere Tochter arbeitet in Santo Domingo als Managerin bei Colgate. Einer unserer Söhne lebt in Oslo. Er war jahrelang bei der Marine und ist jetzt gerade dabei, ein Café zu eröffnen. Und der zweite Sohn ist Taxifahrer in Potsdam.

Hat denn eines Ihrer Kinder etwas mit Turnen zu tun oder zu tun gehabt?

Ja, sie haben alle mal mit Turnen angefangen. Der leistungsmäßig Beste war Mathias. Er war zu DDR-Zeiten richtig gut, musste aber krankheitsbedingt mal ein halbes Jahr Pause machen. In der Zeit hat er durch eine Antibiotika-Behandlung deutliches Übergewicht bekommen. Da hat es nicht mehr so geklappt wie vorher, er hat dann die Lust verloren und sich mehr in Richtung Musik orientiert. Aber er war sehr gut. Und mein einziger Enkel hat leider gar nichts mit Turnen am Hut.

Trainieren Sie in Rinteln ausschließlich den Nachwuchs?

Bei uns ist es so, dass wir hauptsächlich junge Turner haben. Aber ich habe auch welche, die sind schon über 40. Unser Verein ist ein Leistungsstützpunkt für den Niedersächsischen Turner-Bund, der in erster Linie Nachwuchs für Hannover fördern soll. Aber Rinteln ist ja nur eine kleine Stadt. Und wenn die Turner älter werden, dann fangen sie an zu studieren und sind weg.

Wie ist es um das Turnen in Niedersachsen Ihrer Meinung nach bestellt?

Das niedersächsische Turnen ist im Vergleich beispielsweise mit dem früheren Potsdamer Turnen richtig dünn. Wir haben wirklich keine gute Nachwuchsarbeit. Erst seit einem Jahr gibt es in Hannover ein Internat. Das hat es ja vorher in dieser Form gar nicht gegeben. Eine Koordination mit der Schule, wie das in Potsdam möglich war, ist hier zurzeit noch nicht machbar.

Bei den deutschen Meisterschaften in Stuttgart hatte DTB-Präsident Rainer Brechtken mit Blick auf die große Lücke hinter Fabian Hambüchen & Co. bemängelt, dass es unter anderem in den norddeutschen Regionen zu wenig Engagement im Spitzensport gebe. Geben Sie ihm Recht?

Das ist sicherlich richtig. Das Gesamtpaket passt einfach nicht. Turnen ist eine Sportart, die sehr zeitaufwändig ist. Wenn man die richtig professionell machen will, müssen Schule, Internat und Training zusammenpassen. Es muss auch eine entsprechende Anzahl von Trainern da sein, die das richtig engagiert macht. Das ist alles hier noch ein bisschen Stückwerk, obwohl es sich in Hannover schon verbessert hat.

Es gibt im Norden einige Regionen, in denen es besser organisiert ist…

Ja, definitiv. In Cottbus läuft das perfekt. Auch in Chemnitz bei Gaby Frehse. Dort wurden ideale Bedingungen geschaffen - und dann folgen natürlich auch die Ergebnisse. Gaby Frehse hat einen starken Zulauf von Turnerinnen. Die kommen aus dem Saarland und sonst woher. Die Gegebenheiten spielen demzufolge eine wesentliche Rolle. Die Eltern sehen, wo sich um die Kinder richtig gekümmert wird und schicken sie dorthin.

Wie lange wollen Sie im Turnen noch aktiv sein?

Ich werde im November 63 Jahre alt und will auf jeden Fall noch bis 65 weitermachen. Das ist mit meinem Verein so abgestimmt. Und danach habe ich die Absicht, auf Honorarbasis weiterzumachen. Aber dann suche ich mir die Gruppen raus, die ich trainieren will. Jetzt muss ich ja praktisch auch übergreifend tätig sein.

Wollen Sie dann in Rinteln bleiben, oder zieht es Sie doch mal wieder zurück nach Potsdam?

Wir hatten lange mit uns gekämpft, ob wir wieder nach Potsdam zurückgehen. Wir haben ja auch noch ein Häuschen dort. Da wohnt jetzt unser Sohn drin. Aber es hat sich vor Ort sehr viel verändert. Inzwischen ist es so, dass wir hier mehr Leute kennen als in Potsdam. Also wir bleiben mit hoher Wahrscheinlichkeit hier.

Sehen Sie sich noch größere Turnveranstaltungen live an?

Das Turnier der Meister in Cottbus schaue ich mir alle zwei Jahre an. Dorthin muss ich auch immer wegen meiner A-Lizenz-Verlängerung. Die steht 2015 wieder an. Ich bin jedes Mal beeindruckt, wie gut das Turnier organisiert ist. Das ist eine hervorragende Leistung! Und wenn die deutschen Meisterschaften nicht zu weit weg stattfinden, dann fahre ich auch hin. Ich hoffe, dass wir bald mal wieder eigene Teilnehmer dabeihaben. Aber das setzt ja voraus, dass wir auch ein entsprechendes Leistungsvermögen haben.

Hat sich das Turnen Ihrer Meinung nach in den vergangenen Jahren sehr verändert?

Auf jeden Fall! Das Schwierigkeitsniveau hat sich wesentlich verändert. Aber auch das Klima unter den Turnern hat sich verändert. Von außen stellt es sich aus meiner Sicht so dar, dass es nicht mehr diesen direkten Bezug zum Verein gibt. Welcher Verein mehr Geld zahlt, spielt wohl inzwischen eine größere Rolle. Das finde ich traurig, aber das ist sicherlich der Zug der Zeit. Damit müssen wir halt leben.

Was wäre Ihr Wunsch?

Ich würde es sehr wichtig finden, wenn dem Turntrainer-Beruf eine klare Perspektive aufgezeigt wird.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Autorin Beate May

 

Was macht eigentlich... Volker Rohrwick?

Er war 17-facher deutscher Meister und 1981 deutscher Zwölfkampfmeister, nahm an Olympia 1976 in Montreal und 1984 in Los Angeles teil, startete bei fünf Weltmeisterschaften und drei Europameisterschaften und feierte mit dem TB Oppau drei deutsche Mannschaftsmeisterschaften: Volker Rohrwick kann auf eine höchst erfolgreiche aktive Zeit zurückblicken. Danach war der heute 60-Jährige Trainer am rheinland-pfälzischen Landesleistungszentrum in Oppau. Seit das erfolgreiche Turnzentrum geschlossen wurde, arbeitet der Pfälzer wieder in seinem Lehrbetrieb, der Ludwigshafener Stadtverwaltung – natürlich im Bereich Sport.

Wie geht es Ihnen?

Mittlerweile eigentlich wieder gut. Gesundheitlich hatte ich in den letzten beiden Jahren ein paar Probleme, die ich aber im Griff habe.

Wie läuft es im Beruf?

Ich arbeite nun wieder im 14. Jahr bei der Stadtverwaltung Ludwigshafen als Abteilungsleiter Sport/Verwaltung. Davor war ich ja 11 Jahre lang hauptamtlicher Trainer des LSB Rheinland-Pfalz. 1973 hatte ich bei der Stadt angefangen und habe 1978 meinen Abschluss als Diplom-Verwaltungswirt (FH) gemacht. Von 1989 bis Ende 2000 war ich für die Trainertätigkeit beurlaubt und bin dann, nachdem das Leistungszentrum bei uns in Ludwigshafen-Oppau vom LSB aufgegeben wurde, zu meinem alten Arbeitgeber zurückgekehrt.

Wie lange haben Sie noch bis zur Rente?

Mir macht die Arbeit immer noch Spaß. Wenn es aber möglich ist, würde ich gerne mit 63 Jahren aufhören, um noch ein paar schöne Jahre zu haben.

Haben Sie noch Bezug zum Turnen?

Es war schon hart damals… Das Haus in Oppau wurde vom Landessportbund, bei dem ich angestellt war, geführt und dann an den Pfälzer Turnerbund abgegeben. Da wusste ich, wenn das der Fachverband übernimmt, geht das Leistungsturnen „die Bach“. Deswegen habe ich auch keinen neuen Vertrag mehr angenommen und mich nach dem Turnfest 2002 in Leipzig total aus der Kunstturnerei zurückgezogen, um mich wieder beruflich beim alten Arbeitgeber neu zu orientieren.

Die Schließung des rheinland-pfälzischen Landesleistungszentrums war ja ein herber Einschnitt. Der ehemalige Bundestrainer und Oppauer Philipp Fürst sprach damals enttäuscht vom Niedergang des deutschen Turnens. Auch Sie hatten sich kritisch geäußert, weil es gerade einen Aufwind im Nachwuchsbereich gab. Wie bewerten Sie diesen Vorgang im Nachhinein?

Wir hatten eine Mannschaft aufgebaut, die in der Bundesliga turnte. Neben Michael Cornelius, der mehrfacher deutscher Meister im Jugendbereich war und auch international bei Länderkämpfen und Jugendeuropameisterschaften zum Einsatz kam, hatten wir einen recht vernünftigen Nachwuchs aufgebaut, mit Erfolgen bei Deutschen Schüler- und Jugendmeisterschaften. Auch haben wir damals in diesem Altersbereich die eine oder andere Medaille geholt. Also wir hatten eine vernünftige Aufbauarbeit über ein Jahrzehnt geleistet – und dann ging das alles innerhalb eines Jahres kaputt. Das war sehr schade für die jungen Nachwuchsturner und auch für mich, da ich gerne Trainer war und diesen Job als Lebensaufgabe gesehen habe. Aber wenn ein Fachverband diese Sportart nicht mehr unterstützten will, kann man nicht mehr das verwirklichen, was man möchte. Dann muss man halt die Konsequenzen ziehen. Es hat zwar ein, zwei Jahre gedauert, aber mittlerweile bin ich froh, dass es so ist, wie es gekommen ist.

Wie sieht denn die Situation im Turnen in Rheinland-Pfalz jetzt aus?

Also ich sag‘ mal: Das ist kein gutes Niveau gemessen an der deutschen Spitze! Man hat sicherlich noch ein oder zwei Turner, die zu deutschen Meisterschaften fahren, aber die spielen da keine Rolle mehr. Das Turnen in Rheinland-Pfalz ist auf einem unteren Niveau. Es hat mit Leistungsturnen oder Turnen auf einem Kaderniveau nichts mehr zu tun. Das ist auch in der heutigen Zeit schwierig, weil man ja keine hauptamtlichen Trainer mehr hat.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern mit gut funktionierenden Leistungszentren ist Rheinland-Pfalz damit ja ganz schön hinten abgefallen…

Rheinland-Pfalz hatte dieses LLZ in Oppau. Hier konnte man ganz vernünftig arbeiten. Auch hat man in Koblenz noch eine Universitätsturnhalle mit feststehenden Geräten, wo man zumindest im Schüler- und Jugendbereich etwas entwickeln könnte.

Also ist da leistungssporttechnisch in der Zukunft auch nicht so viel zu erwarten in Rheinland-Pfalz?

Sagen wir mal so: Wenn schon etwas gut war, wie bei uns bis 2002… Wir waren eigentlich als Nachwuchsleistungszentrum anerkannt, auch beim DTB, bei Andreas Hirsch als Bundesnachwuchstrainer. Und dann geht alles kaputt. Und man weiß, wie lange es dauert, um etwas aufzubauen… Wenn man dann bei null anfängt, braucht man wieder zehn Jahre, bis man etwas sieht. Also ich glaube nicht daran.

Wie bewerten Sie die Entwicklung im deutschen Turnen allgemein?

Ich kriege natürlich die großen Veranstaltungen mit, bei denen sehr gute Erfolge erzielt werden und wurden. Das hängt aber auch immer mit Personen zusammen. Doch wenn diese Personen wie Fabian Hambüchen oder Marcel Nguyen vielleicht dann mal weg sind – Philipp Boy ist ja schon weg… Ob dann die entsprechenden Leute nachkommen, die wieder diese Erfolge erreichen können? Da habe ich zu wenig Einblick. Ich wünsche es dem deutschen Turnen, aber es wird schwierig werden.

Sind Sie manchmal noch vor Ort, um sich Wettkämpfe anzuschauen?

Im vergangenen Jahr war das Internationale Deutsche Turnfest bei uns in der Metropolregion Rhein-Neckar. Da habe ich mal reingeschaut. Aber ich bin von der Führung des DTB sehr enttäuscht…

Weshalb?

Dass man als langjähriger Nationalturner für deutsche Meisterschaften oder andere Wettkämpfe im Land nicht mal eine Ehrenkarte erhält, dann ist das ein schwaches Bild eines Spitzenfachverbandes. Immerhin habe ich bei fünf Weltmeisterschaften, zwei Olympischen Spielen, drei Europameisterschaften für Deutschland und den DTB geturnt.

Als Abteilungsleiter Sport bei der Stadt Ludwigshafen kommen Sie mit Leistungssport nicht mehr in Berührung, oder?

Nein, mit Leistungssport hat das hier weniger zu tun. Wir haben unsere Sportanlagen, die instand gehalten werden müssen. Wir haben 150 Vereine, die betreut werden und Zuschüsse bekommen. Wir machen Hallenbelegungen, Belegungen von unseren Außensportanlagen, führen eigene Veranstaltungen durch. Demnach ist die Verbindung zum Sport immer noch gegeben.

Und zu Ihren ehemaligen sportlichen Weggefährten ist der Kontakt auch noch sehr gut. Sie treffen sich regelmäßig?

Ja, sicherlich. Auch zu meinem 60. Geburtstag hatte ich die komplette 84er-Mannschaft und den einen oder anderen von 1976 eingeladen. Wenn wir alle fünf bis zehn Jahre zusammenkommen, ist es immer schön, die Leute zu sehen, mit denen man so eine lange Zeit verbracht hat.

Also überwiegen die positiven Erinnerungen an Ihre Kunstturn-Zeit?

So ist es.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Autorin Beate May

Was macht eigentlich... Rudi Kratochwille?

 Was macht eigentlich… Rudi Kratochwille?

Sein Name ist untrennbar mit dem TK Hannover und generell dem Turnen in Niedersachsen verbunden. Rudi Kratochwille war einer der entscheidenden Initiatoren des erfolgreichen Bundesliga-Teams aus der Landeshauptstadt. Er war Landestrainer, internationaler Kampfrichter und Verantwortlicher für den Leistungssport beim Landessportbund. Er formte Spitzenturner wie den Weltmeister Andreas Aguilar. Als Präsident lenkte der gebürtige Schwabe ab 2007 einige Jahre die Geschicke des Niedersächsischen Turn-Teams und führte es wieder mit in die DTL-Spitze. Am 11. August wurde Rudi Kratochwille 70 Jahre alt. Jetzt hat er sich aus allen Ehrenämtern zurückgezogen und will das Turnen nur noch genießen.

Alles Gute nachträglich zu Ihrem 70. Geburtstag! Haben Sie sich schön feiern lassen?

 

Danke! Ja, klar! Ich bin noch dabei. Denn wir haben es ein bisschen aufgeteilt. Am Tag des Geschehens innerhalb der Familie. Am nächsten Tag mit unseren Nachbarn und Kegelfreunden. Und jetzt am Wochenende mit der Großfamilie und noch ein paar anderen Freunden.

 

Wie groß ist denn die Großfamilie Kratochwille?

 

Ich bin ja gebürtiger Schwabe und habe noch Verwandtschaft und viele Freunde im Schwabenland. Sie reisen alle mit dem Zug an. Und dann machen wir am Samstag und Sonntag eine richtig schöne, große Feier.

 

Gab es auch aus der Turnszene Glückwünsche?

 

Durchaus! Von meinen ehemaligen Turnern haben viele angerufen. Wir machen ja auch am 27. September unseren jährlichen Oldie-Treff mit allen ehemaligen Liga-Turnern, die aus ganz Deutschland nach Hannover kommen – das ist diesmal der krönende Abschluss meiner Geburtstagsfeiern. Die Veranstaltung habe ich vor sechs Jahren ins Leben gerufen. In diesem Jahr feiern wir neben meinem 70. zwei weitere Jubiläen: Die erste Bundesliga-Meisterschaft des TK Hannover liegt genau 30 Jahre zurück und der WM-Sieg von Andreas Aguilar 25 Jahre. Das sind alles markante Daten. Da bleibt für meinen Geburtstag eigentlich nicht mehr so viel übrig…

 

Sie haben sich ja lange fürs Turnen engagiert. Wie sieht heute Ihr Alltag aus?

 

Eigentlich so, wie der Alltag eines Rentners aussieht. Ich gehe meinen Hobbys nach. Beispielsweise klassische Musik. Außerdem habe ich drei Enkelkinder, mit denen ich mich viel beschäftige. In meiner Weihnachtsmail im vergangenen Jahr hatte ich ja bereits mitgeteilt, dass ich mich mit meinem 70. Geburtstag aus allen Ehrenämtern zurückziehen werde und Turnen einfach nur noch genießen will.

 

Schaffen Sie das?

Ja. Das hat auch ein bisschen etwas mit der jüngeren Vergangenheit zu tun. Ich habe mit dem Niedersächsischen Turn-Team die eine oder andere Enttäuschung erlebt. Und das hat mir die Augen geöffnet, dass meine Zeit nun irgendwie vorbei ist. Ich beobachte jetzt nur noch, fahre beispielsweise zu den Deutschen Meisterschaften - in diesem Jahr allerdings nicht, weil der Termin zu nah an meinem Geburtstag ist. Also Turnen ist für mich definitiv nur noch von der genießerischen Seite her zu betrachten.

Wie sehr hatte Sie der Bundesliga-Rückzug des NTT im Januar 2012 getroffen?

Das hat mich hart getroffen! Wir waren als TK Hannover doch viele Jahre recht erfolgreich in der Bundesliga. Dann haben wir versucht, noch mal etwas Neues zu machen, haben das NTT Hannover aus dem Boden gestampft. Das Team war ja auch erfolgreich: nach dem Aufstieg Siebter, Fünfter und Dritter. Dann hat der Niedersächsische Turner-Bund sich nicht mehr so sehr zum NTT bekannt. Damit sind natürlich ein paar Dinge zusammengebrochen. Auch im Sponsorenbereich. Und da ich durch diese Geschichte auch einen gesundheitlichen Schaden erlitten hatte, habe ich gesagt: Das tue ich meinem Herzen nicht mehr an. Jetzt muss das Ganze ohne mich laufen.

Hatten Sie Herz-Probleme wegen der Aufregung um den Rückzug?

 

Ich hatte Herzkrämpfe, war eine Woche im Krankenhaus. Meine Tochter und mein Schwiegersohn sind Ärzte, sie haben gesagt: Du musst Dein Leben ändern! Das habe ich dann auch gemacht. Der letzte Schritt war eben der, dass ich mit meiner Weihnachtsmail 2013 allen mitgeteilt habe, dass ich mich in diesem Jahr zurückziehe. Das habe ich auch sehr konsequent getan. Es ist jetzt einfach eine neue Zeit. Und von daher muss man den jungen Leuten die Chance geben, es mindestens genauso gut zu machen.

 

Wie beurteilen Sie die jetzige Situation im Kunstturnen in Niedersachsen? In der DTL gibt es nur noch ein Drittliga-Team…

 

Ja, das ist richtig. Und offensichtlich reicht es dem Niedersächsischen Turner-Bund so, wie es jetzt ist. Sonst hätten sie es ja anders machen können. Wir waren doch schon auf einem guten Weg, standen drei Jahre nach dem Aufstieg im Endkampf in Berlin, sind dort Dritter geworden. Wenn man sich nach solchen Erfolgen zurückzieht, dann will man das wohl gar nicht…

 

Wie sieht denn dann die Zukunft aus?

Das kann ich nicht sagen, weil ich da jetzt nicht mehr drinstecke.

Und was wünschen Sie sich für Ihre eigene Zukunft?

 

Dass ich noch lange gesund bleibe und mit meiner Frau die schönen Dinge des Lebens genießen kann. Ich will die Turnszene weiter beobachten, vielleicht da und dort mal mit einem Rat zur Seite stehen. Aber aktiv werde ich nicht mehr eingreifen. 

 

Herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Autorin Beate May

Was macht eigentlich... Otto Baur?

Er ist der Turnvater des TV Schwäbisch Gmünd-Wetzgau: Otto Baur hat sich 60 Jahre lang für den Verein engagiert. Er war Trainer, Kampfrichter und unermüdlicher Macher. Der heute 78-Jährige kämpfte jahrzehntelang für bessere Trainingsbedingungen. Im Jahr 2010 stand dann endlich eine moderne Halle zur Verfügung. Danach trat er in den (Un-)Ruhestand – so ganz entbehrlich ist das mehrfach ausgezeichnete Urgestein beim Turnverein nicht.  

 

Sie werden im September stolze 79 Jahre alt. Wie geht es Ihnen?

 

Ich hatte vor Weihnachten im vergangenen Jahr eine sehr schwere Erkrankung, mit deren Folgen ich immer noch zu kämpfen habe. Aber in meinem Alter geht es sowieso senkrecht bergab und nur sehr zaghaft und langsam wieder bergauf. Ich arbeite täglich daran und kann sagen, jetzt bin ich wieder auf einem Niveau angekommen, wo eine kleine Stufe auftreten wird – positiver Art.

 

Also es geht aufwärts…

 

Ja, definitiv. Ich bin sehr zuversichtlich und freue mich zum Beispiel darüber, derzeit häufig nachmittags ins Freibad gehen zu können und abends dann wieder einen Trimm-Trab zu machen.

 

Einen Trimm-Trab?

 

Ein bisschen laufen, ein bisschen gehen, ein bisschen laufen, ein bisschen gehen…Aber mehr Gehen als Laufen.

 

Sehr sportlich – und wie sieht Ihr Alltag sonst noch so aus?

 

Es gibt viele Dinge, die mich interessieren, zu denen ich nicht gekommen bin, als ich jeden Tag in der Turnhalle stand.

 

Zum Beispiel?

 

Ich lese sehr viel. Und ich gönne mir auch einfach mal eine Auszeit, indem ich in den Wald gehe, mich auf eine Bank setze und die wunderschöne Natur betrachte. Diese Dinge kamen immer zu kurz.

 

Und es bleibt auch mehr Zeit für die Familie…

 

Auch das. Die Enkelkinder freuen sich immer wieder, bei mir zu sein.

 

Wie viele Enkel haben Sie?

 

Zwölf.

 

Zwölf?

 

Ja, fünf Kinder und zwölf Enkelkinder. Klasse muss sich fortpflanzen.

 

Ihre Frau ist doch bestimmt auch froh, dass Sie jetzt mehr zu Hause sind, oder?

Ja. Zuweilen.

Warum? Gehen Sie ihr auf die Nerven?

Wenn man täglich umeinander herum ist und zwischendurch nicht mal ein paar Stunden weg, dann sieht man so Manches, was einem nicht gefällt. Und da kann ich mich nicht so gut zurückhalten.

Wie lange sind Sie schon verheiratet?

52 Jahre.

 

Respekt! Wie sieht es mit Reisen aus? Das war doch auch immer eines Ihrer Hobbys. Schaffen Sie das gesundheitlich noch?

Als ich noch besser drauf war, bin ich drei Mal im Jahr nach Südtirol gefahren. Das ist meine zweite Heimat. Früher habe ich die Dolomiten-Gipfel bestiegen und heute schaue ich sie mir von unten an – und freue mich, dass ich das alles erlebt habe. Bis zum vergangenen Jahr war ich regelmäßig im Frühjahr zum Ski fahren, im Sommer zur Alpenrosenblüte und im Herbst zur Weinlese dort. Jetzt habe ich es auf Langlauf im Frühjahr reduziert.

Bis vor wenigen Jahren waren Sie jeden Tag vier Stunden in der Turnhalle. Vermissen Sie das?

 

Was war das für ein Gefühl, als der TV Schwäbisch Gmünd-Wetzgau im vergangenen Jahr deutscher Mannschaftsmeister wurde?

 

Da war ich natürlich vor Ort und habe mich erst einmal für die Jungs gefreut, denn sie haben das umgesetzt. Und dann habe ich für mich selber im Stillen eine gewisse Genugtuung empfunden. Das Ganze ist letztlich ja auch noch mein Werk. Meine 60-jährige Arbeit hat Früchte getragen.

 

Wie lautet das Erfolgsrezept?

 

Beharrlichkeit, Konsequenz, Stehvermögen, Ausdauer.

 

Stehen Sie Ihrem Verein mit Ihrem Erfahrungsschatz noch zur Verfügung?

 

Ja, sicher. Als ich aufgehört habe, hat Paul Schneider die Geschicke weitergeführt. Ich habe damals gesagt: ‘Paul, ich höre auf, Du übernimmst jetzt. Eines kann ich Dir sagen, ich werde Dir nie reinreden. Wenn Du meinst, dass Du meine Hilfe oder meinen Rat brauchst, möchte ich darum gebeten werden.‘ Das hat geklappt. Ich bin schon öfters gebeten worden. Und meistens konnte ich helfen.

 

Wie lautet Ihre Prognose für den Saisonausgang?

 

Wir werden sicher nicht absteigen.

Das ist aber sehr zurückhaltend formuliert…

Naja, dieses Jahr wird es wohl ein bisschen herber. Den Titel zu verteidigen, ist immer schwieriger. Sagen wir mal so: Ob wir ins große oder kleine Finale kommen, das lasse ich der Bescheidenheit halber offen. 

 

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Autorin Beate May

Was macht eigentlich... Philipp Boy?

Was macht eigentlich… Philipp Boy?

Er war Vizeweltmeister 2010 und 2011 im Mehrkampf, holte bei der EM 2011 als Sechskämpfer Gold sowie Silber am Reck und turnte bei der EM 2010 zu Bronze am Königsgerät. Bei Olympia 2012 in London verletzte er sich in der Qualifikation gleich am ersten Gerät – und der Traum von der Medaille platzte. Vier Monate später machte Philipp Boy Schluss mit dem Turnen und ordnete sein Leben neu. Im Juli 2013 kam Tochter Ophilia zur Welt. Und parallel baute sich der Cottbuser in Berlin eine Agentur für Finanzberatung auf. Doch die Turnfans halten dem charismatischen 26-Jährigen weiterhin die Treue.

Wie geht es Ihnen? Alles gut?

Ich fühle mich wohl. Für mich persönlich war der Rücktritt immer noch genau die richtige Entscheidung. Natürlich beflügelt mich meine Tochter. Familienleben, Gesundheit – alles top! Und im Job läuft es auch sehr gut. Von daher kann ich mich momentan nicht beschweren.

Wie sieht der Alltag des Familienvaters Philipp Boy aus?

Er ist genauso zeitaufwendig wie als Turner. Nach Olympia 2012 hatte ich ja die Entscheidung getroffen, dass ich aufhöre. Direkt nach dem Rücktritt hatte ich mich selbstständig gemacht und den Unternehmensaufbau entsprechend vorangetrieben. Selbstständigkeit heißt ja nicht umsonst selbst und ständig. Da ist es nicht immer einfach, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, besonders seit meine kleine Ophilia da ist.

…die das Leben veränderte?

Ja, klar! Ophilia ist der größte Sonnenschein für uns. Doch wenn ich ehrlich bin, macht meine Freundin Vivien die meiste Arbeit. Denn ich bin von Montag bis Freitag in Berlin und arbeite. Vivien kümmert sich währenddessen in Cottbus um unsere kleine Ophilia und studiert nebenbei. Ich habe einen Riesenrespekt vor Müttern entwickelt. Denn ich hatte meine Kleine mal vier Tage am Stück. Das ist schon ein Fulltime-Job – aber sowas von! Doch sie hat ein absolut sonniges Gemüt. Ich genieße es extrem.

Das sonnige Gemüt wurde ja auch immer Ihnen nachgesagt…

Meine Mama meint, dass Ophilia eins zu eins so ist wie ich damals. Doch Vivien war nicht anders, somit erklärt sich das von allein...

Wenn Ophilia einiges von Ihnen hat, sehen wir sie dann auch mal bei einer WM turnen?

Wenn man zur Weltspitze gehören will, muss man im Training einiges über sich ergehen lassen. Und das würde ich jetzt nicht unbedingt für meine Tochter wollen. Aber ich werde sie definitiv zum Vorschulturnen bringen. Denn das sollten alle Kinder machen, weil es die beste Grundausbildung ist, die man haben kann. Motorische Entwicklung, Raumvorstellung – das kommt alles über das Turnen. Und natürlich Werte: Respekt, Disziplin. Ob sie dann weitermacht, lasse ich sie selbst entscheiden. Doch ich tippe mal nicht darauf, dass wir sie bei Turn-Weltmeisterschaften sehen werden.

Aber Sie sind jetzt völlig weg vom Turnen, oder?

Ich turne persönlich nicht mehr, habe seit zwei Jahren auch kein Gerät mehr angefasst. Das letzte Mal, dass ich am Reck hing, war bei meiner Verabschiedung in Stuttgart. Das war eine sehr emotionale Veranstaltung für mich. Als ich letztes Jahr die WM in Antwerpen besucht habe, kamen viele Kampfrichter und internationale Turner zu mir, haben mich umarmt, Fotos gemacht. Es war für mich extrem cool, diesen Respekt gezollt zu bekommen. Da ist mir aufgefallen, dass ich vielleicht doch etwas geschafft habe in dem Sport. Zwar werde ich dem Turnen nicht mehr mit meinem Körper zur Verfügung stehen, aber ich will mich trotzdem engagieren.

An was denken Sie konkret?

Ich hatte bis jetzt leider noch nicht viel Zeit dafür, das voranzutreiben. Aber zum Beispiel stehen immer noch Gespräche mit der Stiftung Deutsche Sporthilfe aus. Und ich denke immer, wenn ich mit Geschäftspersonen am Tisch sitze, an den SC Cottbus, an eventuelle Kooperationen.

Auf Ihrer Facebook-Seite kommen weiterhin jede Menge Anfragen und Kommentare von Fans aus aller Welt. Ehrt Sie das?

Das ist ein wunderschönes Gefühl. Daran sehe ich, dass die Anerkennung nicht nur etwas mit Philipp Boy, dem Turner, sondern auch mit Philipp Boy, dem Menschen, zu tun hat. Das ist sehr angenehm. Und ich freue mich auch darüber, wenn ich immer noch Briefe kriege. Wobei ich leider sagen muss, dass ich ein bisschen nachlässig mit der Beantwortung bin. Aber die Zeit fehlt ganz einfach.

Jetzt zum beruflichen Neustart als selbstständiger Finanzberater in Berlin. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Die Frage, wie es nach der sportlichen Karriere weitergeht, stellt sich ja zwangsläufig jeder Spitzensportler einmal. Sollte er zumindest. Ich bin dankbar, gleich auf Anhieb etwas gefunden zu haben, was mir Spaß macht und Geld bringt. Das Beste daran ist  die Möglichkeit, während der Sportlerkarriere nebenberuflich zu schauen, ob es was für einen ist. 

Was leistet die „Agentur Boy“?

Meine Kunden sind deutschlandweit verteilt, trotzdem liegt mein Hauptaugenmerk auf meinem Agenturaufbau in Berlin. Meine Ziele sind auch hier genauso hoch wie im Sport damals. 1000 Mitarbeiter und 100 Agenturen in ganz Deutschland  - das wäre schon ‘ne Hausnummer.

Den Ehrgeiz des Turners Philipp Boy hat sich der Finanzberater also bewahrt…

Ich habe noch nie klein gedacht. Ich wollte schon als Sportler nach ganz oben. Und jetzt eben in dem Bereich. Natürlich wird es richtig schwer, aber es macht extrem Spaß. Hier wird mir die Chance geboten, mit allem Drum und Dran richtig groß zu werden.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Autorin Beate May

Was macht eigentlich... Johann Prass?

Turnen, Leichtathletik und Handball – Johann Prass fuhr als junger Sportler mehrgleisig. Dann spezialisierte sich der Niedersachse auf das Turnen. Er war Bundesliga-Trainer und -Kampfrichter, mehr als 25 Jahre Präsident des MTV Eintracht Celle und von 2009 bis 2013 schließlich an der Spitze der DTL. Heute ist der 79-Jährige noch Unternehmer, er vermietet Ferienwohnungen  – und ist sportlich weiterhin sehr aktiv.

Wie geht es Ihnen?

Gut. Sehr gut!

Wie sieht jetzt Ihr Alltag aus?

Mein Alltag sieht so aus, dass ich in diesem Jahr zum Beispiel vier Mal Skilaufen war. Einmal in den USA, einmal in Italien, zwei Mal in Österreich.

Langlauf oder Abfahrt?

Abfahrt.

Mit 79 Jahren?

Ja, ja. Das geht sehr gut!

Und wie läuft es in diesem Jahr sportlich weiter?

Ich werde segeln. Einen Törn habe ich schon klargemacht. Im August in der Ostsee. Und dann plane ich gerade einen weiteren Törn, eventuell im Atlantik.

Wer segelt da mit?

Bei dem Törn in der Ostsee, den ich selbst veranstalte, sind drei Mann dabei.

Und Sie sind der Älteste?

Da bin ich der Älteste – und habe auch am meisten zu sagen, weil ich Skipper bin.Ich bin ja lange für eine Segelschule als Skipper gefahren.

Ein entspannter Urlaub mit am Strand liegen etc. - das ist wahrscheinlich überhaupt nicht Ihr Ding…

Nein, auf keinen Fall!

Und wenn Sie zu Hause sind, wie sieht da Ihr tägliches Leben aus?

Ich arbeite noch als Geschäftsführer einer GmbH. Zum 30. Juni dieses Jahres höre ich aber auf und will mich dann mehr um meine Immobilien in Friesland kümmern.

Wie halten Sie sich sonst so fit?

Radfahren, Gymnastik – alles Mögliche. Und mit Bauarbeiten.

Bauarbeiten?

Ich habe meine Wohnungen in Friesland vollkommen renoviert. Mein Tagesablauf war zuletzt so, dass ich von Montag bis Donnerstag nach der Post ins Büro gegangen bin. Danach bin ich nach Friesland hochgefahren und habe dort bis Sonntagabend Renovierungsarbeiten gemacht. Aber das ändert sich ja jetzt. Künftig kann ich auch mal in der Woche dort oben bleiben.

Inwieweit verfolgen Sie die DTL noch?

Ich interessiere mich sehr dafür und habe stetigen Kontakt mit meinen alten Präsidiumsmitgliedern und dem Vorstandsvorsitzenden. Zum Wettkämpfe anschauen bin ich nicht häufig gekommen, weil ich so viele andere Termine hatte. Aber wenn ich jetzt im Herbst nicht mehr arbeite, werde ich das wohl auch hin und wieder tun können.

Sind Sie auch weiterhin Kampfrichter?

Leider habe ich wegen einer wichtigen Sitzung des Präsidiums der DTL die Prüfung des neuen Code de Pointage nach den Olympischen Spielen in London verpasst und bin zurzeit ohne gültiges Brevet. Ich habe mich zwischenzeitlich mehrfach für eine Nachprüfung fit gemacht, aber auch diese Termine wegen Termindrucks nicht wahrnehmen können. Vielleicht gelingt es mir im Herbst. Wenn ja, werde ich selbstverständlich wieder dabei sein.

Sie waren lange Präsident des MTV Eintracht Celle. Inzwischen ist Niedersachsen auf der DTL-Landkarte fast völlig verschwunden. Woran liegt das?

Mit dem NTT Vinnhorst nimmt immerhin noch eine Mannschaft an der DTL teil. Aber vor dem Hintergrund, dass Niedersachsen zur Spitzenzeit zwei Mannschaften in der ersten Bundesliga, eine Mannschaft in der zweiten Bundesliga und zwei bis drei Mannschaften in der Regionalliga stellte, ist das natürlich eine traurige Entwicklung. Bei der Frage, woran das liegt, bin ich ratlos und kann nur vermuten. In Niedersachsen gibt es eine aktive Landesliga mit sechs Vereinen. Anscheinend haben diese Vereine und auch andere, die im Turnen aktiv sind, kein Interesse daran, in der DTL zu starten. Mag sein, dass sie das finanzielle Risiko und den Aufwand scheuen. Vielleicht sind aber auch manche Aktive nicht bereit für den notwendigen Mehraufwand im Training. Fakt ist, dass viele gute in Niedersachsen ausgebildete Turner heute in Mannschaften in anderen Landesturnverbänden am Start sind.

Zum Abschluss: Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft?

Zunächst den Erhalt meiner Gesundheit. Neben Reisen werde ich einem weiteren Hobby frönen. Ich werde meinen englischen und italienischen Literatur- und Diskussionsrunden mehr Zeit als bisher widmen. Nicht zuletzt werde ich mich um meine Ferienwohnungen in Friesland und auch um die Gäste und Freunde kümmern.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Autorin Beate May

Was macht eigentlich…Wolfgang Thüne?

Wolfgang Thüne war mehrfacher DDR- und Deutscher Meister im Gerätturnen. Er gewann bei den Olympischen Spielen 1972 mit der DDR Bronze im Mannschafts-Mehrkampf und bei der WM 1974 Silber am Reck – hinter Weltmeister Eberhard Gienger. Mit dessen Unterstützung floh der gebürtige Thüringer 1975 während der EM in Bern in die Bundesrepublik Deutschland. Heute lebt der 64-Jährige in Wetzlar und kümmert sich dort um den Turn-Nachwuchs.

Wie geht es Ihnen, wie läuft Ihr Alltag ab?

 

Mir geht es gut. Bis zu meinem 65. Geburtstag bin ich noch in meinem Job als Lehrer-Trainer im Leistungszentrum Wetzlar berufstätig. Ich bin jeden Tag in der Halle und trainiere in der Hauptsache kleine Kinder, Anfängergruppen. Sie sind zwischen 5 und 13 Jahren alt.

 

Und Sie arbeiten gemeinsam mit Ihrem langjährigen Weggefährten Wolfgang Hambüchen?

 

Wir arbeiten in derselben Halle. Wir hatten ja damals schon zusammen in der Bundesliga-Mannschaft in Leverkusen geturnt. Und als ich anschließend dort Trainer war, hat er noch weiter bei uns geturnt. Wir kennen uns also schon, seitdem ich in der Bundesrepublik bin.

 

Wie sieht es familiär bei Ihnen aus?

 

Ich bin in zweiter Ehe verheiratet, habe drei Kinder und drei Enkelkinder.

 

Wie ist der Kontakt zu Ihrem einstigen größten Konkurrenten und Fluchthelfer Eberhard Gienger?

 

Wir haben guten Kontakt. Teilweise über Veranstaltungen, bei denen es gerade um dieses Thema geht: DDR-Flucht und Sportler, die aus der DDR geflohen sind. Dazu gab es in Potsdam auch kürzlich eine Wanderausstellung. Dort haben wir uns gesehen. Und vor wenigen Wochen waren wir beim Ehemaligen-Treffen der WM-Mannschaften von 1974. Also wir haben regelmäßigen Kontakt und treffen uns oft.

 

Sie hatten die DDR damals verlassen, um vor allem dem Sportsystem zu entkommen, oder?

 

Das Sportsystem war Teil des politischen Systems der DDR. Ziel war es immer, die Überlegenheit des DDR-Systems gegenüber dem Klassenfeind BRD unter Beweis zu stellen. Ich konnte und wollte mich mit diesem diktatorischen System nicht mehr identifizieren.

 

Können Sie bitte noch einmal kurz den Werdegang nach Ihrer Flucht skizzieren?

 

Ich bin am 2. Juni 1975 in Emmendingen im Breisgau angekommen. Von da aus bin ich am nächsten Tag nach Frankfurt gegangen und habe dort einige Zeit in der Deutschen Turnschule gelebt. Ich musste ja auch erst einmal organisieren, wie ich das mit meinem Studium und allem weitermache. Dann habe ich in Mainz Diplomsport studiert und in Frankfurt weitertrainiert. Und noch im selben Jahr habe ich für Bayer Leverkusen in der Bundesliga geturnt, ab 1980 war ich schließlich hauptamtlicher Cheftrainer dort.

 

Wie war die Zeit für Sie?

 

Mit dem zeitlichen Abstand, den ich heute habe, würde ich sicherlich einige Dinge anders machen, aber so ist halt das Leben. Damals gab es für mich nur ein Ziel: Trainer zu werden. Heute denke ich, dass das nicht unbedingt die beste Entscheidung gewesen war. Denn ich musste feststellen, dass die Grundvoraussetzungen für den Sport in Deutschland und die Sportart Kunstturnen speziell nicht stimmen. 

 

Was meinen Sie genau?

 

Erstens: Leistungssport zum Nulltarif gibt es nicht. Nach der Wende war mir klar, dass nicht die BRD sich dem erfolgreichen DDR-Sportsystem nähert, sondern sich das Niveau in einigen Jahren wieder auf dem Niveau von vor der Wende einpendelt. Zweitens: Grundlegende strukturelle Voraussetzungen für den Leistungssport wurden zerstört und negativ diskutiert, um sie Jahre später neu zu erfinden, wie die Kinder- und Jugendsportschulen. Drittens: Man hat es versäumt, den Ausverkauf des gut ausgebildeten Potenzials an Trainern der DDR aufzuhalten. Viertens: Es scheint fast ein Ziel aller Verbände zu sein, die schönsten und größten Verwaltungstempel des Landes ihr Eigen zu nennen, anstatt diese Gelder zielgerichtet in die strukturelle Sportförderung zu investieren. Irgendwann haben wir die schönsten Sportstätten und Sportschulen und den größten haupt- und ehrenamtlichen Verwaltungsapparat. Es fehlen aber die Personen, für die das Gebilde aufgebläht wurde, die Sportler und Trainer. Es kann zum Beispiel nicht sein, dass in Hessen ein hauptamtlicher Landestrainer für die gesamte Sportart Kunstturnen männlich angestellt ist. Und fünftens: Eine soziale Absicherung nach Beendigung der sportlichen Laufbahn oder nach verletzungsbedingtem Abbruch gibt es so gut wie nicht. Die Aktiven werden meistens allein gelassen.

 

Was ist die Quintessenz?

 

Ein sehr erfolgreicher Nachwuchstrainer hat nach dem Ende seiner Trainertätigkeit einen die momentane Situation im bundesdeutschen Sport beschreibenden Satz gesagt: „Ich habe momentan das Gefühl, dass zwar demokratisch gewählte, aber zunehmend ‚Laien‘ in wichtigen Funktionen das System bestimmen wollen und es leider auch tun. Darunter leiden die wirklichen Experten und es kommt oft zur Stagnation. Ich halte das für ein Grundübel, nicht nur im Sport." Diese Einschätzung kann ich über die gesamten Jahre meiner Trainertätigkeit und in verschiedenen ehrenamtlichen Funktionen nur bestätigen. In den seltensten Fällen prägt das System den Erfolg, sondern das private bzw. familiäre Engagement von Eltern und Trainern.

 

Haben Sie ein Beispiel dafür?

Ein gutes Beispiel ist das System Hambüchen. Aus meiner Sicht wurde ein Großteil des DDR-Systems - bei Vernachlässigung der politischen und ideologischen Komponenten - übernommen und umgesetzt. Das bedeutet: Die Koordination von Schule, Training, Freizeit und trainingsbegleitenden Maßnahmen usw. werden zentral durch die Familie gesteuert. Natürlich hatte Wolfgang Hambüchen den Vorteil, als Landestrainer angestellt zu sein. Er hat es jedoch geschafft, unter harten Grabenkämpfen mit eben den genannten Strukturen und Funktionären, seine Vorstellungen erfolgreich durchzuboxen. Aus heutiger Sicht empfinde ich, dass auch das Wettkampfsystem und das Leistungssportkonzept des DTB, an welchem sich die meisten Landesverbände orientieren, überdacht werden sollte.

 

Welche Rolle spielen die Mannschaft und der Mehrkampf noch?

 

Die Teilnahme am Mehrkampf bei internationalen Wettkämpfen ist nur noch wenigen Turnern vorbehalten. Um international an einigen Geräten erfolgreich zu sein, kann man kaum noch Mehrkämpfer sein. Wir turnen bis zur AK 15/16 Pflicht – ein altes Überbleibsel aus DDR-Zeiten. Warum? Viele Turner, schon im Nachwuchs, verlieren wir der Pflicht wegen. Wir verlieren drei bis vier Jahre an konstruktiver Arbeit im Kürbereich. Die Mannschaft bringt eine Medaille, benötigt aber eine Vielzahl an Turnern. Wir werden uns mehr dem Spezialistentum nähern, ähnlich wie in der Leichtathletik.

 

Also ist Ihrer Meinung nach eine Reform im deutschen Turnen nötig?

 

Ja sicher! Diesbezüglich wäre eine große Reform nötig.

 

Hätten Sie denn trotzdem lieber heute als in der damaligen Zeit geturnt?

 

Ich denke, dass wir unter den damaligen Verhältnissen attraktive Leistungen erbracht haben. Ich hatte das Glück, an einigen Entwicklungen im Kunstturnen wie der Erfindung von Flugteilen am Reck, Einpauschenarbeit am Pferd und Zusatzsaltos am Sprung beteiligt gewesen zu sein. Das Tempo war manchmal nicht ganz so forsch wie heute. Wir mussten ja auch immer noch Pflicht erlernen und turnen. Die Gerätebeschaffenheit war zudem noch nicht so fortgeschritten wie heute. Jede Zeit hat ihre Protagonisten, und so sollte es bleiben. Mir gefällt jedoch etwas mehr individuelle Ausstrahlung in der Ausführung als das roboterähnliche Aneinanderreihen von Schwierigkeiten im Turnen.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Autorin Beate May

Was macht eigentlich… Marie-Sophie Hindermann?

Sie war eine der elegantesten und ausdrucksstärksten Turnerinnen Deutschlands. Ihre größten Erfolge: Olympia-Teilnahme 2008 in Peking und Platz fünf im Stufenbarren-Finale bei der WM 2007 in Stuttgart. Ende 2012 trat Marie-Sophie Hindermann überraschend von der internationalen Turnbühne zurück, begann als Stabhochspringerin eine zweite Karriere und pendelt nun jeden Tag von ihrem Wohn- und Trainingsort Stuttgart zur Universität nach Tübingen, wo sie seit 2012 Humanmedizin studiert. Was ihre Beweggründe waren, wie ihr der Spagat zwischen Studium und Sport gelingt – und was ihr großer Traum ist, darüber sprach die 23-Jährige mit uns. 

Wie geht es Ihnen?

Sehr gut. Ich habe zwar immer viel zu tun, aber das habe ich mir ja selber alles so ausgesucht.

Fangen wir chronologisch an: Was war damals der Grund für den Rücktritt?

Ich war an einen Punkt gekommen, wo ich glaubte, dass ich für meine Verhältnisse all das erreicht hatte, was ich erreichen konnte. Ich war mir sicher, dass es nicht mehr viel besser wird. Und ich hatte Lust auf andere Sachen. Ich habe einfach geglaubt, dass ich auch in anderen Sachen gut sein kann. Viele denken, dass es etwas mit meinen vielen Verletzungen zu tun hatte. Meine letzte Verletzung, die kurz vor Olympia in London 2012 an der Schulter war, hat mir natürlich viel Zeit zum Nachdenken gegeben. Sie war zwar schon ein Einschnitt, weil das Ziel Olympia-Teilnahme verloren gegangen ist. Aber das war auf jeden Fall nicht der Grund.

Wie kam es dann ausgerechnet zum Stabhochsprung?

Wenn man in Stuttgart von der Turnhalle zur Physiotherapie geht, dann läuft man durch die Leichtathletik-Halle. Da hatte ich schon immer so ein bisschen geliebäugelt. Und als ich die Verletzung an der Schulter hatte und die Reha gut lief, habe ich mir gedacht: Jetzt ist eigentlich genau der richtige Zeitpunkt, um das mal auszuprobieren. Dann kam ich aber schnell an einen Punkt, wo ich mich entscheiden musste: Entweder ich investiere mehr und werde besser, oder ich bleibe so schlecht wie ich bin und gebe mich damit zufrieden. Die Entscheidung fiel mir nicht so schwer.

Welche Eigenschaften helfen einer Turnerin beim Stabhochsprung?

Eigentlich sagt man immer, dass die Bewegung am Stab eine sehr turnerische Bewegung ist. Das stimmt bestimmt. Und da habe ich sicher körperliche Vorteile. Aber ich musste auch feststellen, dass ich diese ganzen Bewegungen genauso neu lernen muss wie jeder andere Anfänger. Ehrlich gesagt, hatte ich mir das ein bisschen einfacher vorgestellt. Wo ich ganz sicher Vorteile habe, sind solche Sachen wie Trainingseinstellung. Also sowas, was ich aus meiner früheren Sportart mitbringe. Das ist wertvoll. Denn körperliche Nachteile kann man schnell aufholen, aber eine Einstellung ist etwas, das in einem drin ist.

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Er fängt meistens morgens ziemlich früh an. So zwischen sechs und sieben Uhr. Es kommt immer darauf an, wann Vorlesungen, Seminare etc. sind. Die Zeit zwischendrin nutze ich, um zu lernen. Dann bin ich täglich noch drei bis vier Stunden im Training. Der Tag ist also immer vollgepackt. Man muss sich eben gut organisieren und sich zwingen, konsequent zu sein, dann funktioniert das.

Sie turnen ja auch weiterhin für den MTV Stuttgart…

Ich turne nur noch in der Bundesliga, investiere da jetzt aber nicht mehr so viel Zeit. Eigentlich wundert es mich jedes Mal, dass es noch so gut geht. Aber durch das Stabhochsprung-Training bin ich körperlich topfit. Und das, was ich an turnerischen Sachen mache, muss ich davor noch ein bisschen üben. Aber ich trainiere da relativ wenig. Wenn im Herbst die Wettkämpfe weitergehen, dann fange ich so ungefähr sechs bis acht Wochen vorher an, mal wieder in der Turnhalle vorbeizuschauen.

Sie sind außerdem Referentin. Wie schaffen Sie das denn noch nebenbei?

Im letzten Sommer habe ich in den Semesterferien eine Rhetorik-Ausbildung gemacht. Jetzt halte ich Vorträge und gucke, dass ich das irgendwie unterkriege. Meistens spreche ich vor Unternehmen, ausgewählten Führungskräften. Ich versuche zu zeigen, dass meine Erfahrungen, die ich im Sport gemacht habe, Erfahrungen sind, die einem auch im Leben weiterhelfen können. Und dass Eigenschaften wie Leistungswille, Disziplin und Verantwortungsbewusstsein, die man im Sport braucht, um erfolgreich zu sein, auch für die berufliche Karriere wichtig sind. Ich möchte also den Sportler in jedem wecken. Für mich ist das auch eine Chance, zusätzlich ein bisschen Geld zu verdienen.

Haben Sie dann überhaupt noch Zeit für ein Privatleben, Hobbys, Freunde, Partnerschaft?

Ganz bestimmt nicht so viel wie andere. Aber ich bin nicht unzufrieden damit. Früher in der Schule sah mein Tag ganz ähnlich aus. Er fing auch früh an und hörte spät auf, war vollgepackt bis oben hin. Doch das ist eine Entscheidung, die man bewusst trifft. Die Freunde, die ich habe, die verstehen, was ich mache. Das sind nicht viele, aber sehr gute. Das ist für mich eigentlich das Wichtigste.

Was sind Ihre nächsten Ziele im Stabhochsprung?

Die Saison läuft. Ich habe fast jedes Wochenende einen Wettkampf. Ich möchte in diesem Jahr gerne von derzeit 4,10 Meter in den Bereich zwischen 4,20 und 4,30 Meter springen. Dann schreibe ich aber im August auch noch mein Physikum, das heißt mein erstes Staatsexamen. Das ist schon eine wichtige Prüfung für mich und ich werde dann schauen, ob ich nicht einfach ein paar Abstriche machen muss.

Sind die Olympischen Spiele 2016 Ihr Ziel?

Ich würde es eher als Traum beschreiben. Ich war da schon mal und weiß, dass es sich echt lohnt, dafür zu arbeiten. Aber ich weiß natürlich auch, was ich ins Turnen investiert habe. Schon allein an Trainingsstunden. Davon bin ich im Stabhochsprung noch meilenweit entfernt. Ich habe einen Plan, was ich jedes Jahr erreichen müsste, damit dieser Traum realistisch bleibt. Aber schlussendlich ist es ja so, dass ich sowieso nicht mehr machen kann, als jeden Tag mein Bestes zu geben. Und dann schaue ich, was am Ende rauskommt. Aber der Traum existiert – und wenn nicht 2016, dann vielleicht 2020.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Autorin Beate May 

Was macht eigentlich... Bernd Heide?

Ob Turner, Trainer oder Funktionär – ob einst erfolgreich auf dem Podium oder hinter den Kulissen. In unserer Serie „Was macht eigentlich…?“ begeben wir uns auf die Spuren von ehemaligen echten Turn-Typen und fragen nach. Los geht´s am 06. Juni mit Bernd Heide, dem Urgestein des SC Cottbus. Der heute 72-Jährige gilt noch immer als Macher der Cottbuser Turnerfolge. Im Jahr 2007 erhielt er den „Ehrenpreis der Deutschen Turnliga für herausragende Persönlichkeiten im Turnen“. Vor neun Jahren wurde Bernd Heide in den Ruhestand verabschiedet. Doch so ganz kann er vom Turnen nicht lassen. Nun gibt er sein Wissen an den Nachwuchs in seiner Wahlheimat Dresden weiter. Wie er die Entwicklung in der DTL bewertet und wo er Probleme sieht, darüber haben wir uns mit ihm unterhalten.

Bernd Heide, wie geht es Ihnen?

Es ist viel los - leider nicht mehr so viel, was das Turnen anbelangt. Damit beschäftige ich mich nur noch theoretisch. Ich bin ja zu meiner Lebensgefährtin nach Dresden gezogen. Sie wohnt schon viele Jahre hier und ist eine Klassenkameradin noch aus Sportschulzeiten in Forst, wo ich groß geworden bin. Neben dem SC Cottbus bin ich jetzt auch Mitglied im Dresdner Sportclub. Ich versuche dort ein bisschen optimistische Stimmung zu verbreiten, weil sie es schwer haben, sich durchzusetzen.

Aber da bringen Sie schon einen ganz guten Erfahrungsschatz mit…

Sie sind sehr dankbar, dass ich ihnen immer wieder Mut zuspreche und vielleicht auf die eine oder andere Lösung hinweise. Ich bin bei Wettkämpfen ab und zu mal dabei, habe auch Kontakt zum Bundesstützpunkt in Chemnitz. Mit den Erkenntnissen aus der Literatur versuche ich etwas Einfluss auf das Training zu nehmen. Also es ist sehr wenig geworden, aber immerhin: Ich werde hier noch ein bisschen gebraucht.

Sie haben sich fast 40 Jahre unermüdlich im Turnen engagiert – fehlt Ihnen da jetzt nicht irgendwas?

 

Es hat anfangs schon gefehlt. Und es fehlt eigentlich auch immer noch. Wenn ich alleine wäre, ohne die Verantwortung für die zweite Person, dann wäre ich noch viel mehr unterwegs, um mir Wettkämpfe überall in Deutschland anzuschauen. Ich freue mich, wenn Leute da sind, die mich kennen und die ich kenne. Das ist eine schöne Sache. Und es gibt auch immer wieder neue Erkenntnisse, die man nur dann sammelt, wenn man mehr sieht. Dadurch dass ich kein Internet habe, hole ich mir die Informationen sonst über Zweite oder Dritte. Oder aus der Zeitung – aber da steht ja über unsere Sportart selten mal etwas drin.

 

Wie bewerten Sie denn die mediale Präsenz des Turnens generell?

 

Die hängt meistens an bestimmten Personen wie Marcel Nguyen, Fabian Hambüchen oder damals Philipp Boy. Mehr ist ja kaum. Und wenn sie nicht dabei sind, wird das Ganze runtergespielt. Die Präsenz in der Zeitung wird wahrscheinlich im südlichen Raum weitaus größer sein als hier in Mitteldeutschland und im Norden. Das ganze Turnen hat sich in Richtung Süden verzogen. Es gibt hier doch nur noch Berlin, Cottbus, Chemnitz und Halle.

 

Woran liegt das?

 

Wir sind die Einzigen, die über die Sportschule bis oben noch richtig voll entwickeln. Aber die ausgebildeten Turner gehen dann weg, weil das Geld lockt und oft auch eine berufliche Perspektive. Und wir kriegen nichts dafür. Das ist sehr schlimm. Aber was sollen wir da machen? Da ist kaum etwas möglich. Es passt alles zusammen - und ist gegen uns.

Und wie sehen Sie die sportliche Entwicklung in der Bundesliga?

Dass jetzt immer mehr ausländische Turner in den Vereinen starten, ist nicht so schlecht. Doch da entscheidet auch derjenige, der viel Geld hat. Der kann sich dann natürlich Spitzenleute leisten. Aber durch die beschränkten Startmöglichkeiten -  pro Gerät nur ein Ausländer - wird der Sache so ein bisschen ein Riegel vorgeschoben. Und das ist gut so. Einige Vereine haben eben viel Geld, holen sich dann einen Vizeweltmeister und so weiter – während wir das überhaupt nicht können. Wir müssen dann schon auf die zweite oder dritte Reihe gucken oder unsere traditionellen Beziehungen nutzen, beispielsweise zur Ukraine.

 

Wo liegen denn weitere Probleme?

Das Nachwuchsproblem ist nach wie vor das Größte. Also Kinder für diesen langen, komplizierten, aber auch schönen Weg zu gewinnen. In der Regel geht das von Familie zu Familie. Der Erste ist da, dann kommt meistens noch der Zweite hinzu… Aber Cottbus hat zum Glück das Trampolinspringen noch gehalten. Wie haben am 21. Juni zum dritten Mal die „GymCity OPEN“. Das ist ein internationales Pokalturnier, das auch als WM-Qualifikation genutzt wird. Da gibt es eine gute Nachwuchsarbeit. Die Trampolinturner hatten wir ja damals vor allem aus Schwedt in unser Zentrum geholt. Und die Turner, die ihre Entwicklung im Geräteturnen nicht fortsetzen können, wechseln dann rüber. Das ist auch eine Seitenstütze für unsere Weiterexistenz.

Wie sehen Sie die Entwicklung bei „Ihrem“ SC Cottbus, der als Rekordmeister nun einmal mehr gegen den Abstieg kämpft?

Was erfreulich ist und sich in der Bundesliga irgendwann niederschlagen soll, ist die recht gute Nachwuchsarbeit, die sich in den letzten Jahren in Cottbus entwickelt hat. Wir hatten ja mal eine ziemliche Durststrecke. Aber nun kommen vor allem Jungs zunehmend wieder zu uns in die Halle. Außerdem haben wir in Forst ein weiteres Zentrum für Kinder. Das macht uns ein bisschen Mut, dass wir in ein paar Jahren vielleicht wieder um die Vergabe des Titels mitsprechen können. Aber wir hatten auch schon den Plan B in der Schublade…

Das heißt?

Dass, wenn wir es nicht schaffen, wir eben in die zweite Liga gehen. Das ist auch nicht schlimm. Dort würden wir dann eben nur mit dem Nachwuchs starten. Bundestrainer Andreas Hirsch hat sich gefreut, dass wir in der Liga vor allem unsere 15-, 16- und 17-Jährigen eingesetzt haben. Er findet es gut, wenn eigene deutsche Turner in den Mannschaften sind. Aber die Entwicklung hat ja eine Eigendynamik genommen, mit Sponsoren etc. Ich sehe es also mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Das lachende Auge bezieht sich eindeutig auf den Einsatz der Nachwuchsleute. Das stimmt optimistisch. Aber ob das reicht, um nachher wieder Weltspitze zu werden – tja, das wird schwer. Weil die Entwicklung – und das wird sich auch bei Olympia 2016 in Rio zeigen – noch mal explodieren wird.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Autorin Beate May

Veranstaltungen

4.3.National Team Cup 2017, Heilbronn
1.-2.4.DTL-Mitgliederversammlung, Frankfurt am Main

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